dance, music, body wisdom from egypt

Hingabe

Hingabe an den Tod ist eine interaktive Ausstellung mit Videoarbeiten, in denen sich die Tänzerin und Choreografin Claudia Heinle mit dem Tod auseinandersetzt. Inspiriert vom altägyptischen Totenbuch erschafft sie eine imaginäre Totenwelt, welche die uralte Beziehung zwischen Tanz und Tod widerherstellt.

Koncept & Performance Claudia Heinle 

Kamera Torben Nuding, Norbert Horwath

Kostüm Ellen Lämmel

Produktion Cie tanz raum 2022 

Gefördert durch Kulturamt Stadt Konstanz (GER), Kulturamt Thurgau (CH) 

Information claudia.heinle@tanz-raum.com


Hingabe an den Tod

Installation mit Videoarbeiten der Tänzerin Claudia Heinle

Inspiriert vom Totenbuch der Ägypter, hat die Tänzerin und Choreografin Claudia Heinle einen labyrinthartigen Raum erschaffen, in dem die Lebenden auf Kräfte treffen, die im Totenreich wirken. Begleitend hierzu gibt sie Workshops, in denen die Verbindung zwischen Tanz und Tod im Mittelpunkt steht. Ausstellung und Workshops werfen einen sinnlichen und liebevollen Blick auf den Tod.


Bewaffnet mit Karte, Amulett und magischen Sprüchen tritt man durch die Todespforte, folgt einem weissen Band, das die Sphären verbindet und landet - entgegen aller Erwartungen - in einer lebendigen Welt der ständigen Verwandlung und Transformation, in der Tanz und Bewegung anwesend sind.

Claudia Heinle erforscht seit Jahren die Beziehung von Tanz und Tod, die in den alten Kulturen zutiefst verankert war. Die Arbeiten und Workshops verschieben den Blickwinkel auf den Tod radikal und befreien ihn von seinem schlechten Ruf.


Videoarbeiten

Hingabe an den Tod und Das Band sind Arbeiten, die während der Pandemie entstanden sind.

Sie sind zentraler Teil der Installation, in der Unsichtbares und Verborgenes zum Vorschein tritt.


In Hingabe an den Tod wandelt die Tänzerin auf den Spuren des Todes, ihre nackten Füsse in Kontakt zum feuchten Waldboden und den trockenen Blättern. Ihr bewegter Körper wird zum sinnlichen Gefäss für die Kräfte der Natur und ihre Elemente. Hingabe wird beschrieben als «sich bereitwillig davontragen lassen». Hingabe – als bewusste, jedoch eher passive Bewegung, getragen von Zuwendung, Öffnung, Empfangen und Loslassen. Das Motiv von Selbstopferung (devotio), im Sinne seines antiken Verständnisses der Selbstopferung an das Göttliche, schwingt hier mit: als Opfergabe des eigenen Leibes an die Erde.


In Das Band tritt die Tänzerin in veränderte Bewusstseinszustände ein. Ausgelöst durch die Verbindung von Vibration des Geläuts der Glocken des Konstanzer Münsters und den zirkulären Bewegungen, die Trance induzieren. Im Tanz lösen sich die Koordinaten der gewohnten Welt auf. Die Tänzerin wird getanzt. Körperliche Begrenzungen werden aufgebrochen und es findet eine Reinigung statt, in der blockierte Energie entweichen kann. Hier schwingt das Motiv von der Bekämpfung und Befriedung von Dämonen mit, das bis heute in Ägypten in rituellen Tänzen praktiziert wird. Das Band symbolisiert das kosmische Gewebe, aus dem die sichtbaren und unsichtbaren Sphären gewirkt sind.


Die westlichen Gesellschaften haben ein Weltbild konstruiert, das auf einem linearen Zeitkonzept beruht. Wir leben, sterben und dann ist Schluss. Am Ende wird uns alles genommen. Das sorgt für Angst und Abscheu, denn wir werden unfreiwillig zum Opfer. In der Auseinandersetzung mit dem Tod, stellt sich die Künstlerin die Frage: «Was würde geschehen, wenn wir unsere Angst, Abscheu und Opferhaltung überwinden könnten, indem wir uns wieder von den zyklischen Zeitkonzepten inspirieren lassen.


Kann mit der Kraft von Bildern und Visionen Angst transformiert werden? Können wir religiöse Dogmen hinter uns lassen und ein Weltbild erschaffen, das den Tod wieder in den Zyklus allen Lebens integriert? Würde dies der Gier und Zerstörungswut des Menschen Einhalt gebieten? Wann haben wir unsere Hingabe an die ewigen Zyklen des Lebens verloren und unsere Zukunft aufs Spiel gesetzt? Was würde ein radikaler Perspektivenwechsel und eine Auseinandersetzung mit dem Tod auf persönlicher und gesellschaftspolitischer Ebenen bedeuten?

Hängt von der Hingabe an den Tod unsere Zukunft ab?